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Hanfblätter flackern über die Videowand. "Fod For Thought" ertönt und aus dem Dunkel erscheinen Sie, UB 40, die Könige des Reggaes. Im gelben Scheinwerferlicht folgen die Klassiker "Maybe Tomorrow", "Wear You To The Ball" und "Homely Girl". Inklusive Zugabe verabreichen sie ihren gutgelaunten Fans 22 Songs. Die Band aus Birmingham verbreitet karibische Urlaubsstimmung, wie geschaffen für ein LTU-Video. Statt der Reggae-Heimat Jamaika ist eben die Schwarzwaldhalle das Ziel.
Karibisches Flair mit tanzbarem, poppigem Reggae ist die Richtung der Multi-Kulti-Truppe im Partytempel. Das Publikum wiegt zwei Stunden lang wie Meereswellen sanft hin und her. Die von den Brüdern Alistair "Ali" und Robin Campbell 1978 mit Freunden gegründete Band hat die im Sommer veröffentlichte CD "Twentyfourseven" im Gepäck. Mit "End Of War", "The Road" und "Dance Until The Morning Light" stellen sie drei neue Songs im gewohntem Reggaerhythmus vor. Partystimmung bringen aber nur die Klassiker wie "Red Red Wine", "Kingston Town" oder "Can't Help Falling In Love". Diese absoluten Welthits gehören auch bei diesem Konzert zum Programm.
UB 40 ist mit über 50 Millionen Tonträgern die weltweit erfolgreichste Reggae-Band. Auch heute noch zelebrieren sie ihren Sound fast genauso wie vor dreißig Jahren und setzen auf Wiedererkennbarkeit. Duncan und Robin Campbell schmachten am Mikro, unterstützt von den fantastischen Bläsern. Der sehr transparente Bass, Gitarre und die Trommler sorgen für den entspannten Reggae-Rhythmus. Würde die bunte Truppe um die Brüder Robin und Duncan Campbell, die aus weißen und schwarzen Musikern besteht, einfach "Sunshine Reggae" oder "Soft Reggae" heißen, wäre das kein Problem. Doch sie haben sich nun mal nach dem britischen Formular für Arbeitslosenhilfe benannt und waren während der Thatcher-Jahre als politische Band anerkannt.
Heute aber lassen sich klare Klassenkampf-Positionen kaum noch beziehen, streikende Bergarbeiter gibt es nicht mehr. Deshalb versuchen UB 40 nun auf musikalischem Wege, sich von den puren, selbstsüchtigen Popstars abzugrenzen. Doch altmodisch sind UB 40 trotz ihrer Routine nicht. Vielmehr ist ihre Methode, Material aus der Pop-Geschichte herauszugreifen und in den eigenen Sound zu transformieren, sehr beliebt. Was UB 40 auf der Basis von Reggae betreiben, das wiederholten The Fugees vor Jahren auf der Basis des Hip-Hop. Wobei beide eigentlich nur Lehrlinge von Großmeister James Last sind: Der übersetzt seit über vierzig Jahren alles, von den Beatles bis zu Bach, in seinen eigenen Big-Band-Sound.
Nach dem sich Bandgründer und Sänger Ali Campbell nach fast 30 Jahren vor der CD-Veröffentlichung entschied, sich auf seine eigene Karriere zu konzentrieren, nimmt Bruder Duncan nahtlos seinen Platz in der bunten Truppe ein. Es muss an den Genen liegen, dass Duncan fast die gleiche Stimme wie sein Bruder Ali besitzt. Somit kann der Live-Act ohne Qualitätsverlust in einer erfolgreichen und tollen Party enden. Dem Veranstalter "Kangeroo-Event" sei Dank für diesen unvergesslichen Abend. |